Tipps für Spielesammler

 

Von unserem ESG-Ehrenvorsitzenden Rudolf Rühle.

Wenn sich während der Internationalen Spieltage in Essen, dem Mekka der Spieler, auch die Sammler treffen, werde ich oft gefragt, ob ich Tips geben könne. Beispielsweise, was man sammeln solle oder wie man seine Schätze behandeln müsse. Daher möchte ich hier meine Erfahrungen weitergeben.

Zunächst zum Sammelgebiet.

Mein erster Rat an den Sammelanfänger überrascht meistens, er heißt nämlich: spielen und nur spielen, nicht sammeln, denn sammeln kostet neben Geld auch noch viel Zeit, die dann zum Spielen fehlt. Wenn aber jemand vom Sammelfieber bereits ergriffen ist, dann sollte er sich überlegen, welche Art von Spielen ihm besonders gefällt. Und darauf muß er sich dann spezialisieren und nicht den Fehler aller Anfänger machen, egal ob bei Briefmarken oder Spielen, zunächst alles zu sammeln. Auch ich habe diesen Fehler gemacht. Das führt nur zu Platzproblemen und verhindert, einen Bereich wirklich umfassend sammeln zu können und dort Fachmann zu werden.

Dieses Sammelgebiet kann dann ein Thema sein, wie (ausgefallene) Werbespiele, ein besonders schönes Beispiel dafür ist DIE FASS-SPIELE-SAMMLUNG von Remy Martin oder Fußballspiele oder Spiele bestimmter Verlage oder Autoren. Die vergangenen Sammlertreffen und auch die bisherigen Artikel in der Sammlerecke der Pöppel-Revue geben viele Hinweise auf solche Möglichkeiten. Niemand sollte sich auch von dem Gedanken abschrecken lassen, daß durch diese „Erfassung“ vielleicht ein Sammelgebiet bereits abgeschlossen sein könnte. Sogar zu so einem begrenztem Gebiet wie es die Rudi Hoffmann-Spiele sind, ist erneut ein unbekanntes Spiel aufgetaucht, das tschechische Spiel UTIKEJ ZAJICI!!!, das im Jahre 1983 das Spiel WURSTSCHNAPPEN von Rudi Hoffmann, nur mit einem anderem Thema völlig „nachempfunden“ hat. Oder bei 3M die bis vor kurzem unbekannte und ganz anders aussehende Ausgabe der MONAD-Kassette. (Dieses falls ohne Bild nur allgemein formulieren)

Eine solche Spezialisierung hilft nicht nur dem betreffenden Sammler, sondern auch der Erforschung unseres gemeinsamen Hobbys, weil überhaupt nur auf diese Weise ein möglichst umfassender Überblick über die Geschichte der Spiele, Verlage, Autoren usw. gelingen wird.

Und jeder kann sich, wie ich es auch mache, alle Spiele, die er gerne spielt, zusätzlich bereit legen.

Eine weitere häufig gestellte Frage ist, wie ich meine Spiele gefunden habe bzw. finde.

Das ist natürlich auch sehr von der für das Hobby verfügbaren Zeit und der Finanzkraft abhängig. Ich zähle deshalb die Möglichkeiten nur einmal auf, als da sind: Flohmärkte, Trödler und Haushaltsauflösungen, Antikmärkte, Antiquitätengeschäfte, auch Antiquariate, „Tante Emma“ Spieleläden (die haben manchmal im Lager noch alte Ladenhüter, man muß nur fragen), Auktionen. Und natürlich andere Sammler, mit denen man tauschen kann, bzw. „Handel“ betreiben kann. Und das bezieht sich nicht nur auf Spielesammler, ich tausche mit einigen anderen Spezialsammlern wie beispielsweise Spielkarten- Militaria- Puppen- Bücher- und Ansichtskartensammlern. Die nötigen Kontakte bekommt man beispielsweise auch über Anzeigen.

Aber nun die Ratschläge zur Aufbewahrung und Pflege.

Daß Spiele viel Platz brauchen, ist leidvolle Erfahrung. Aber dieser Platz muß trocken sein, feuchte Keller sind ein wunderbarer Nährboden für Schimmelpilze, wie ein vielen bekannter Autor und Sammler (gerne?) bestätigen wird. Zu große Trockenheit ist allerdings auch nicht gut, Papier fängt an brüchig zu werden, das günstigste Klima für die Daueraufbewahrung liegt zwischen 50 und 65 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit.

Direkte Sonneneinstrahlung ist Gift für die Farben der Schachteln, sie bleichen aus und niemand wird dem stolzen Besitzer auf Dauer die Geschichte von sammelwürdigen besonderen Varianten glauben.

Die beste Lagertemperatur für Papierwaren sind konstante 18 Grad Celsius, das allerdings wird, im Gegensatz zu den vorigen Anforderungen, nur schwer außerhalb eines Museums zu verwirklichen sein. Wir sollten aber dafür sorgen, daß die Lagertemperatur nur zwischen 15 und 22 Grad Celsius schwankt und das auch nur möglichst langsam.

Schädlich sind Gummibänder, die auf Dauer sich zersetzen und dann an den Karten, die sie zusammenhalten sollen, festkleben. Wo auf Gummibänder nicht verzichtet werden kann, sollte unbedingt eine Lage unbeschriftetes säurefreies Papier als Schutzschicht zwischen Gummiband und den Inhalt gelegt werden. Ebenso sollten Büroklammern u.ä. aus Metall entfernt werden, da in unserem Klima das Rosten langfristig nicht zu verhindern ist. Ich kann leider sehr häßliche Rostflecken bei alten Spielen vorführen.

Da normalerweise jeder Sammler Platzprobleme hat und die Spiele übereinanderstapeln muß, mein Rat: Größere Leerräume in der Schachtel ausfüllen, am einfachsten mit zusammengeknülltem säurefreien unbedrucktem Papier. Das stützt die Schachtel und hilft, das auf ihr ruhende Gewicht besser zu verteilen und zu ertragen. (Wahrscheinlich wissen viele, daß ich versuche, dieses Problem damit zu lösen, daß ich in solche Freiräume kleinere Spiele packe. Das ist mein Weg mehr Platz zu schaffen.)

Wer um das zu ermöglichen, die „heilige“ Originalfolie von seinem Spiel entfernen muß, braucht keine Hemmungen zu haben, dadurch ein besonders wertvolles Exemplar im Wert zu mindern. Die Folie um das Spiel wird nämlich auf lange Sicht das Spiel schädigen. Allein die unterschiedliche Ausdehnungsrate von Plastikfolie und Papier bei Temperaturschwankungen tut der Pappschachtel nicht gut, hinzu kommt bei bestimmten Materialien die Zersetzung durch Freiwerden schädlicher Chemikalien. Daher kann jeder endlich mit gutem Gewissen in das gute Stück hineinsehen. Ich wünsche ihm nur, daß es ihm dabei nicht so geht wie mir. Als ich nach vielen Jahren endlich HEXAGONY von Avalon Hill öffnete, enthielt dieses originalverschweißte und von der Firma direkt bezogene Exemplar keine Spielregeln!

Ein Problem, das für unsereinen nicht lösbar ist, sind manche besonders alten aus säurehaltigem Papier bzw. Pappe fabrizierte Stücke. Die fangen inzwischen an, schon beim Anschauen zu zerbröseln. Eine Entsäuerung halte ich für unbezahlbar, ich empfehle, sie nur sehr vorsichtig in weiches Einwickelpapier, wie es Spediteure verwenden, einzupacken, auch innen damit zu füllen und dann an einen ruhigen Ort wegzulegen. Wer öfter den Inhalt sehen oder zeigen will, sollte die Schachtel nicht schließen, sondern den geleerten Boden in den Deckel stellen und dann beides zusammen vorsichtig mit dieser Art Papier einschlagen. Danach kann das Spielmaterial in das Behältnis wieder hinein.

Zuguterletzt die Frage nach Reparaturen.

Ich rate da zu sehr großer Zurückhaltung. Besser ist immer der Fachmann, aber auch teurer. Auf gar keinen Fall Tesafilm oder ähnliches verwenden. Jeder der solcherart „geschmückte“ Spiele vom Flohmarkt mitgebracht hat, weiß, daß man das ohne Spuren nicht mehr entfernen kann. Und bei Alterung verfärbt sich der ursprünglich durchsichtige Tesafilm, löst sich dann zwar selbständig, aber der inzwischen braune Klebstoff bleibt leider.

Wenn etwas geklebt werden muß, empfiehlt es sich, dem Buchbinder zuzusehen: Kleine Risse im Spielplan oder in der Regel kann man mit selbstklebendem (durchsichtigen) Japanpapier beidseitig bekleben, nachdem die Teile so ursprünglich wie möglich aneinandergefügt wurden.

Bei größeren zu klebenden Stellen sollte man nicht klebendes Japanpapier nehmen. Als Klebemittel benutzt man alterungsbeständigen Kleister, wie beispielsweise Weizenstärke oder Reisstärke. Nach dem Kleben zum Zusammenpressen der geklebten Teile auf beide Seiten zum Abdecken gewachstes Silikonpapier legen und darauf noch als Schutzschicht sehr festen Karton (Holzkarton), dann kann das Ganze gepreßt werden, bis alles abgetrocknet ist.

Bei aufgestoßenen Ecken werden die auseinanderstehenden Pappstücke vorsichtig leicht mit Kleister getränkt, so vorhanden das Stück des Deckblattes oder Titelbildes darüber gezogen und alles dann in Form gepreßt, bis auch hier alles abgetrocknet ist.

Mehr zu tun, kann ich aus meiner Erfahrung niemanden raten, aber wie immer bin ich über jede Information dankbar und werde gute Ratschläge gerne weitergeben. Vielleicht können wir beim jährlichenTreffen am Freitag um 17.00 Uhr während der Messe SPIEL in der Grugamesse Essen, noch darauf zu sprechen kommen. Ich würde mich freuen, alle Leser dieser Kolumne dort zu sehen.

 

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